The Bard´s Tale IV: Barrows Deep Review – Trotz Performance-Schwächen empfehlenswert

 
The Bard´s Tale IV: Barrows Deep hat mich sehr überrascht. Als ich in den 80ern das erste mal The Bard´s Tale spielen durfte hatte ich noch weniger Plan von RPGs als heute, wusste jedoch damals schon, dass es eine Perle ist. Die Kickstarter Kamapgne ging völlig an mir vorbei und ich bekam erst kurz vor Release mit, dass ein vierter Teil erscheinen wird. Zum Release sah ich die ausgeglichenen Wertungen und war drauf und dran es mir nicht zu kaufen, zum Glück tat ich es dann doch. Wieso ich so empfinde folgt jetzt (Beachtet bitte, dass ich es noch nicht durch habe, daher spiegelt mein Eindruck erst Recht nur meine rein subjektive Meinung wieder):
 


  • Musik: die Musik war das erste das mir sofort positiv auffiel. Bereits im Hauptmenü kommt die typische Fantasy-Stimmung auf und die Darstellung des Barden und seiner Zuhörerschaft ergänzt diesen Eindruck. Während des Spiels begegnet ihr ständig Personen und Gruppen, die singen und summen und es erklingen hier und da wunderbare Klänge, die das audiophile Herz erfreuen. Die Stücke gefallen mir dermaßen gut, dass es mich sogar ein wenig stört, dass nicht die ganze Zeit Musik gespielt wird.
  • Optik: DIe Unreal Engine 4 macht sich optisch sofort bemerkbar. TBT 4 ist zwar nicht „State of the art“, aber die Farbgebung, die Licht-, Schatten- und Partikel-Effekte sind stimmig und wunderbar umgesetzt. Sei es der Rauch, der aus den Schornsteinen steigt, nebelverhangene Gassen, die sichtbaren Poren auf der Haut der Charaktere oder die spektakulären Effekte während dem Kampf – die Optik ist schön gelungen und steigert die Immersion und trägt zur akustisch initiierten Atmosphäre wunderbar bei.
  • Gameplay: W,S,A,D zur Fortbewegung, Linksklick zum Aufheben, Interagieren, Rechtsklick für die Gruppe und Gesänge. Daran muss man sich erstmal leicht gewöhnen, ist jedoch nach kurzer Zeit kein Problem und ich sehe auch keine Gründe die Steuerung anders zu gestalten. Diese Art des Steuerung hat etwas Nostalgisches und aufgrund der Spielmechanik sind komplexere Arten der Steuerung nicht nötig.

    An manchen Stellen fehlt es InXile jedoch an Konsequenz. Als Beispiel: Im Gruppenmenü, dass per Rechtsklick aufgerufen wird, kann man per WSAD zwischen den Charakteren wechseln, im Inventar oder im Skillmenü funktioniert das nicht. Hier ist die Maus gefragt. Das ist unkomfortabel und lässt sich IMHO auf Zeitdruck zurückführen, wird hoffentlich jedoch nachgepatched (im Forum habe ich hierzu ein Feedback hinterlassen).

  • Kampfsystem: Für mich steht und fällt ein rundenbasiertes RPG mit dem Kampfsystem. Wie taktisch ist es? Wieviel Dynamik gibt es durch die verfügbaren Klassen in der Gruppe? Fühlt sich jeder Kampf gleich an? Kann ich per Faceroll gewinnen oder muss ich einen Vodoo-Priester aufsuchen, der mich segnet, bevor ich gewinnen kann???

    Hier kann ich beruhigen 🙂 Mir persönlich gefällt das Kampfsystem sehr sehr gut. Das Gelegenheitspunkte / Zauberpunkte – System bietet viele Möglichkeiten einen Turn anzugehen und die Gegnergruppen zu bekämpfen. .Nach einem Wipe musste ich das zweite Mal gegen die selbe Gegnergruppe unter denselben Umständen kämpfen. Grips ein wenig mehr bemüht und der Kampf lief völlig anders. „Setze ich zuerst den Einzelzielschaden der Magiebändigerin ein und verbrauche einen Zauberpunkt? Oder warte ich bis im nächsten Turn ein zweiter Punkt dazu kommt und setze meinen AoE ein? Bin ich mit ihr gerade gut positioniert? Oder setze ich eher den Gauner ein und werfe Krähenfüße, nutze dann den Kämpfer, der einen Gegner provoziert und dazu zwingt über die Krähenfüße zu laufen und nehme dann Haltung ein? Oder levitiere ich den Gegner vor die Magiebänderin, um meinen AoE wirken zu können?…“ etc. etc. Man muss nicht nur auf die Positionierung achten, wichtig sind auch Situationen wie: Kanalisiert der Gegner (Mental) oder trägt er Rüstung? Abhängig von solchen Momenten ist dann das casten von Mentalschaden basierenden Skills usw.

    Ich habe nicht das Gefühl nur eine bestimmte Herangehensweise fahren zu müssen, um erfolgreich zu sein, gleichzeitig kann ich aber auch nicht einfach stupide Skills spammen, um ans Ziel zu kommen. Das macht sehr viel Spaß und es gibt einige Feinheiten und Synergie-Effekte innerhalb der Skills und auch durch Rassen-Boni und Waffen-Passiv, die einem viele Möglichkeiten offen lassen.

  • Skills: Das bringt mich zu den Skills. Jede Klasse hat innerhalb ihres Skill-Baumes 4 Tabs mit jeweils unterschiedlichen Ausrichtungen, wobei der Reiter „Handwerkskunst“ bei (fast) Allen derselbe ist und in dem drei Ausrichtungen für die Herstellung von Verbrauchsgegenständen, wie Krähenfüße oder z.B. Drachenbomben, zur Verfügung stehen.
    Die Skills stellen keine Überraschung dar, es ist nichts was wir nicht schon gesehen haben. Aber, erst die Kombination aus Gruppe und deren jeweiligen Skillungen machen das Kampfsystem wiederrum so interessant, siehe Beispiel oben.
    Interessant fand ich, dass jede Klasse auch sich auf spezielle Waffen spezialisieren kann. Das wirkt zuerst profan, in Verbindung mit der Tatsache, dass einzelne Waffen auch nochmal eigene Fähigkeiten mit sich bringen können, sorgt das wiederrum für Diversität und Abwechslung.

    Auf die Skills könnte man noch tiefer eingehen, aber ich möchte hier nur (m)einen kleinen Eindruck verschaffen.
    Etwas enttäuschend ist, dass die Magiebändigerin und der Gauner stellenweise die gleichen, wenn nicht sogar dieselben, Skills „teilen“. Das impliziert wieder den Eindruck, dass InXile unter Zeitdruck stand. Für mich ist es eine goldene Regel, dass unterschiedliche Klassen zu 100 % unterschiedliche Skills haben (mal abgesehen von Handwerks-Skills oder etwaige „Life“-Skills und Passivs). Ausnahme bildet es, wenn die Spielmechanik Hybrid-Klassen vorsieht, aber dann sieht das Grundkonzept der Skill-Bäume anders aus und ist in diesem Fall nicht zutreffend.

 

Fazit: The Bard´s Tale IV: Barrows Deep macht vieles richtig, nur manchmal nicht konsequent genug oder es fehlte die Zeit. Die Atmosphäre ist dicht und stimmig. Die Optik und die Akustik sorgen für Fantasy-Stimmung. Die Dialoge und die Story sind spannend und man möchte einfach herausfinden, wie sich das Abenteuer weiterentwickelt und man fiebert mit den Charakteren bzw. den gebeutelten Figuren in Skara Brae mit. Der Humor kommt auch nicht zu kurz, die Gesprächsfetzen, direkten Dialoge, geschriebenen Texte und subtile Querverweise sorgen bei mir häufiger für Lacher und reihen sich nahtlos in die erschaffene Welt ein.

Die Klassenauswahl aus Barde, Kämpfer, Magiebändigerin und Gauner ist zwar überschaubar, durch das intelligente Kampfsystem und den Möglichkeiten, die die Kombination aus Skills bieten, vermisse ich (zumindest bisher) keine größere Auswahl – DLCs könnten ja noch kommen 🙂 Die 7 Rassen bringen zwar jeweils individuelle Boni, ich empfinde – im Gegensatz zu manchen Reviews, jedoch nicht das bestimmte Rassen imbalanced sind. Es ist eine Frage des eigenen Spielstils ob ein Rassenbonus effizienter wäre als der andere, zumal die Rassenboni auch bei euren Gruppenmitgliedern zum Tragen kommen.

InXile sollte aktuell (Stand 21.9.2018) dafür sorgen, dass die Performance optimiert wird. Aktuell habe ich bei einem System mit i7-4790k, GTX 1070, 16 GB RAM 40-50 FPS, andere mit einer GTX1080 und 32 GB RAM ebenfalls und hin und wieder kommt es zu Frame-Einbrüchen. Neben der genannten Problematik gibt es noch kleinere Baustellen (Stichwort: Inventar-Management u.Ä.), diese sind jedoch leicht durch Patches zu verbessern. Für mich ist The Bard´s Tale 4 für jeden Fantasy- und RPG-Fan ein „must-have“. Solltet ihr noch Schwanken, wegen der unoptimierten Performance, wartet bis der Patch da ist und schlagt zu. Allen Anderen, die aus anderen Gründen unschlüssig sind oder wegen der Gesamtwertung bisher, und die eine höhere „Schmerzgrenze“ (Performance) haben, empfehle ich direkt zuzuschlagen.

Grüße, VrKirito

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