Vampyr Review – Starke Lore und dichte Atmosphäre

Ich bin ein leidenschaftlicher Fan von guter Horror-Literatur. In diesem Genre dürfen natürlich Vampir-Romane nicht fehlen und so habe ich die Bücher von Bram Stoker, Elisabeth Kostova oder Anne Rice verschlungen. Aber auch Filme wie Blade, Interview mit einem Vampir, Göttin der Finsternis oder Klassiker wie Nosferatu haben mich immer schon fasziniert.

Vampire: The Masquerade war und ist immer noch eines meiner Lieblings-Vampir Spiele, aber Hand aufs Herz, wieviele ordentliche Vampir-Spiele gibt es denn seit Anbeginn des Gaming-Zeitalters? Stark gefeiert hatte ich damals noch Legacy Of Kain und die ersten beiden Soul Reaver Teile, danach war erst mal eine lange (Blut)-Durstrecke angesagt.

Was kann also Vampyr? Erfüllt es mein dunkles blutdurstiges Herz mit sinistrer Freude oder gähnte ich mich zu Untode? Schauen wir in Kurzform auf meine Eindrücke zum Spiel:

Musik

DontNod Entertainment versteht es die Musik als stilistisches Mittel zum Aufbau einer dichten Atmosphäre in das Spiel zu integrieren. Basslastige und düstere orchestral anmutende Klänge, welche nahtlos in die Optik des Titels rein plätschern, sorgen für ein stetiges Gefühl des „Nicht-Alleinseins“ und der Trostlosigkeit. Dabei wird man nicht „Dauer beschallt“, sondern es wird genauso das Mittel der Stille genutzt, um eine entsprechend passende Stimmung zu erzeugen.

Optik

Optisch sieht Vampyr recht gut aus. Die Grafik ist zwar nicht außerordentlich schön, hier merkt man ggfls. den Multiport schon an, aber das gesamte Artwork und die Darstellung im Detail dieses Epidemie verseuchten immer-regnerischen Londons sind sehr atmosphärisch und man weiß stellenweise nicht mit was man eigentlich Alles interagieren kann.
Der Detailgrad ist sehr hoch und wenn man sich die Zeit nimmt und sich in und ausserhalb der Gebäude umschaut, kann man viele interessante Elemente entdecken.

Die Effekte im Kampf können sich sehen lassen, auch wenn der Stil bei diesen mich mehr an fast schon comicartige FX erinnert, als an „reale“ Effekte.

Gameplay

Vampyr lässt sich mit Keyboard / Maus oder einem Gamepad spielen. Ich habe Letzterem den Vorzug gegeben.
Jonathan Reid scheint an derselben Krankheit zu leiden wie Geralt aus The Witcher: Ist die Steuerung außerhalb von Gebäuden noch in Ordnung, kann es innerhalb enger Räume manchmal etwas nervig werden den Avatar durch diese zu bewegen. Startet unser untoter Held eine Bewegung macht er immer zwei, drei Schritte, so das es nicht immer unbedingt natürlich wirkt und sich „frickelig“ steuern lässt.

Im Kampf funktioniert das dann doch recht ordentlich. Das Mapping auf dem Controller wirkt sinnvoll und geht einem relativ schnell ins untote Blut über. Jonathan kann ausweichen, Gegner ins Ziel nehmen, Haupt / Nebenhand – Waffen per Digital-Tasten-Druck umschalten, sich ebenso direkt heilen, Ausdauer / Blut regenerieren und über die Schultertasten Skills auslösen. Die Kämpfe sind taktisch, häufiger gerne auch mal fordernder, wenn man es mit mehreren Gegnern zu tun hat, aber machbar, wenn man sich konzentriert.

Den Kämpfen hätte es allerdings gut getan, wenn unser Proband Angriffe direkt blocken könnte. Hier hätte DontNod Entertainment ruhig von FromSoftware das Ausdauer vs. Block – System „klauen“ können 😉

Alles in Allem wurde mir über die lange Spielzeit die Kämpfe jedoch nicht langweilig und er verfügt über eine nette Auswahl an upgradbaren Waffen, verschiedenster Kategorien und den Vampyr-Skills.

Außerhalb der Kämpfe ist mir Jonathan für einen Vampir zu „unmobil“. Springt er an einer Stelle elegant auf eine 5 Meter hohe Brüstung, so kommt er an anderer Stelle nichtmal über zwei gestapelte 1,5m hohe Holzkisten. Dabei hätte es großes Potential gehabt ihn über die Dächer der Stadt schleichen zu lassen, um dann die Gegner von oben anzugreifen (Batman Fans wissen was ich meine…xD)

Story & Dialoge

Die Story ist sehr spannend und ich habe es genossen das Spiel zu spielen, um zu verfolgen wie es in der Geschichte weitergeht. Neben der Hauptquest, die aus interessanten Plotwendungen besteht, sind vor Allem auch die Nebenquests interssant, die die Einzelschicksale der hiesigen NPCs in den Kontext dieser trostlosen Zeit des Nachkrieges und der grassierenden Epidemie in ein Gesamtbild integrieren.

Durch die Vampir gegebene Einsicht können wir zusätzlich mehr über die Personen erfahren und es entstehen auch Emotionen wie Empathie, Antipathie oder Belustigung (z.B. beim liebestrunkenen Dichter xD)

Die Audio-Lokalisation ist erste Sahne und die Sprecher verstehen ihr Handwerk. Leider fehlt eine deutsche Audio-Lokalisation, was so manchen Spieler(in) abschrecken dürfte, schade. Die textlichen Übersetzungen sind OK aber die deutsche Übersetzung verfehlt auffällig häufig den anspruchsvollen, manchmal fast poetischen, Schreibstil des englischen Originals und verschenkt somit Potential.

Fazit

Vampyr hat mir viele Stunden Unterhaltung geboten und ist für Fans dieser Wesen empfehlenswert. Wirkliche Horror-Stimmung kommt zwar selten auf, aber es hält durchwegs eine zumindest gruselige Stimmung an. Ich glaube den Anspruch hat Vampyr auch nicht, man kann es mehr als Action-Adventure betrachten als das es ein Horror-Spiel wäre.
Es erinnert an einen guten Roman, der es schafft eine Zeit einzufangen, die von Perspektivlosigkeit geprägt ist und addiert dann noch das paranormale Element des Vampirs hinzu.

Die einzigen Negativpunkte meinerseits sind das verschenkte Potential, durch den Mangel an Mobilität von Jonathan Reid, die halbgare Übersetzung (stilistisch betrachtet) und der etwas hakeligen Steuerung. Rundum hat Vampyr bei mir jedoch einen überwiegend positiven Eindruck hinterlassen

Hier gehts zur Vampyr Playlist

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